Content is king, Bezahlung is nix

Ich will mal ausprobieren, wie schnell ich 2,80 € mit meinen Texterfähigkeiten verdienen könnte.  Das Experiment startet jetzt, um 10:02 Uhr, an einem freundlichen Herbstsonntag. Mein Auge klebt während ich schreibe am Word-Count unten rechts. OMG, ich habe erst ca. 40 Wörter geschafft! Ich brauche aber 200, um meine 2,80 € zu verdienen. Für einen „einfachen Text ohne viel Rechercheaufwand“, als den ich diesen hier betrachte.

Was kostet eigentlich Content?

Was kostet eigentlich Content?

Denn recherchiert habe ich wirklich nicht viel. Durch einen Zufall bin ich auf die Webseite von Great Content gestoßen. Great Content sucht „talentierte Wortakrobaten“ für Kunden wie Zalando, Groupon und Mister Spex. Die Honorargestaltung ist sehr transparent – und für mich erschreckend (passt dann zum gestrigen Halloween, schon wieder 5 Wörter mehr). Ich habe keine Ahnung, wie man bei diesen Sätzen Geld verdienen soll.

Beispiel: Ein „Komplexer Text, detaillierte Recherche empfohlen“, der 500 Wörter lang sein muss, wird mit 21,50 € vergütet. Ich überlege gerade mal, wie das überhaupt gehen soll. Detaillierte Recherche veranschlage ich mit einer Stunde. Für den komplexen Text mit 500 Wörtern 3 Stunden. Und das ist noch sehr, sehr niedrig angesetzt. Macht insgesamt vier Stunden. Und jetzt den Taschenrechner raus: 21,50 geteilt durch vier = 5,38 €. Moment mal, jetzt erhöht sich mein Rechercheaufwand, ich muss den Mindestlohn googeln… er liegt bei 8,50 €.

Mir fehlen da ehrlich gesagt die Worte (deshalb komme ich auch so langsam auf meine 200). Ich finde so ein Geschäftsmodell, das bewusst mit der Selbstausbeutung von Freelancern kalkuliert, einfach unseriös, um nicht zu sagen, schäbig. Und Kunden, die von diesen Dumping-Preisen profitieren oder sie einfordern, brauchen mir nicht mit Geschäftsethik zu kommen. Sorry, so was geht gar nicht.

So, für diesen Text habe ich 37 Minuten gebraucht. 10 Stück/Tag davon und ich könnte mich über  28 € freuen…

2 Gedanken zu “Content is king, Bezahlung is nix

  1. Wie wahr! Bin selbst mal über eine solche Plattform gestolpert und musste mich auch sehr wundern, über die doch recht dürftige Bezahlung. Meine Vermutung: nicht nur die Freelancer, sondern auch deren Texte leiden unter dieser Ausbeutung. Denn auf diese Art ordentlich verdienen zu können, muss die Recherche ziemlich knapp ausfallen und das texten erst recht…

    • Danke für deinen Kommentar. Ich hoffe bzw. bin mir sicher, dass sich diese Billigheimer-Strategie auf Dauer einfach nicht auszahlt. Würde mich auch mal interessieren, ob diese Anbieter ihren Arzt oder Anwalt nach dem Motto „der ist superbillig“ aussuchen würden…

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