Die dunkle Seite des Start-Up-Hypes

Zugegeben, ich bin auch infiziert. Als Leser von Tech- und Social-Media-Blogs bekommt man täglich Heldenstorys aus der Start-up Szene serviert. Die neue App, die das Banking revolutioniert, das neue, heiße Social Media Ding usw. usf. Und stelle mir dann die Frage: „Warum fällt mir sowas nicht ein bzw. wäre es nicht toll, in einem Start-Up zu arbeiten?“

Cover

Wem es ähnlich geht, sollte vor dem überstürzten Exit das Buch „Disrupted: My Misadventure in the Start-Up Bubble“ von Dan Lyons lesen.

Worum es geht, ist schnell erzählt. Der 52-jährige Dan Lyons verliert seinen Job als Journalist bei Newsweek und landet bei dem Start-Up HubSpot. Er bleibt ca. anderthalb Jahre dabei und ist froh, als er einen anderen Job findet. Was er in dieser Zeit erlebt, schildert er unterhaltsam und kurzweilig.

An dem Hype rund um die Start-Ups stören ihn vor allem:

  • Awesomeness. Man kennt das ja aus Apple-Präsentationen. HubSpot verkauft sich selbst als ein Unternehmen, das Dank Inbound-Marketing die Welt verändert wenn nicht sogar besser macht. Der dafür intern verwendete Begriff ist das schwer übersetzbare „Delightion“. Nach seinen Beobachtungen verkauft HubSpot einen Service, der es kleinen Unternehmen leicht macht, schnell massenweise Mails zu verschicken. Verkauft wird dabei vor allem über ein ständig unter Druck stehendes Call-Center.
  • Kultische Verehrung des Unternehmens. Dazu ein lustiges Beispiel. Einer der Geschäftsführer verfasst einen Blog-Artikel. Darin ermahnt er sich, noch stärker an die Kunden zu denken. Ab sofort soll der Kunde symbolisch in jedem Meeting dabei sein – symbolisiert durch einen Teddybär! Der Artikel wird von HubSpot euphorisch gefeiert, was Lyons schwer verwundert: Bei Newsweek hätte so etwas hysterische Lachanfälle ausgelöst.
  • Die Firmen(un)kultur. Mitarbeiter bei Hubspot sind ganz überwiegend jung (=billig), männlich, weiß. Die Umgangsformen und Parties erinnern ihn oft an in Studentenvereinigungen. Wer nicht reinpasst, wird gemobbt und bekommt oft aus heiterem Himmel seinen „Abschluss“ – so wird das Feuern bei HubSpot genannt.
  • Das Geschäftsmodell. Wie der Titel schon verrät, fürchtet Lyons einen nach dem dot.com Crash eine weitere Bruchlandung. Zu viele Start-Ups werden künstlich gehyped, auf schnelles Wachstum getrimmt und gehen dann an die Börse. Obwohl sie nachweislich nicht profitabel arbeiten und das vielleicht auch nie tun werden. Gewinner sind die Gründer und die Risiko-Investoren. Bezahlen werden die Zeche alle, die ohne große Kenntnisse auf der Suche nach dem nächsten Facebook oder Google sind.

Ich habe das Buch gerne gelesen, fand es aber doch etwas zu lang. Außerdem bin ich sicher, dass  einige Start-Ups sicher etwas zum Besseren bewegen. Und wenn sie auch nur die Platzhirsche etwas aufscheuchen.

2 Gedanken zu “Die dunkle Seite des Start-Up-Hypes

    • Ja, das Lego MacBook hätte ich auch gerne😀
      Das Gespräch ist ja episch – etwas zu lange für den Morgen-Kaffee…
      Gruß aus Open Beach

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