Ein Buch wie ein schönes kaltes Bier

Das erste, was einem auffällt, wenn man das Buch in der Hand hält: Ganz schön schwer. Ganz im Gegensatz zur Lektüre. Denn die ist angenehm leicht und unterhaltend. Die Rede ist hier vom „Beastie Boys Buch“.

Ich habe es zu Weihnachten von meinem Bruder (Thanks a lot!) geschenkt bekommen, und zwischen den Jahren mit großem Vergnügen weggeschmökert.

Beastie Boys Buch von Michael Diamond

Das ist zum einen das Layout. Man fühlt sich fast ein bisschen wie beim Surfen durch verschiedene Webseiten. Viele Fotos, Illustrationen, sogar ein kurzer Comic und Rezepte. Schon das Durchblättern macht richtig Spaß. Aber dabei sollte man es nicht belassen. Denn die Geschichte der Beastie Boys, erzählt von Michael »Mike D« Diamond und Adam »Ad-Rock« Horovitz, wird jedem gefallen, der irgendwann mehr oder weniger rhythmisch zu einem Track der Beastie Boys über eine Tanzfläche gezappelt ist.

Alles beginnt im chaotischen New York der 80er Jahre, in dem die drei Beasties (Adam »MCA« Yauch ist leider vor 6 Jahren an Krebs gestorben) sich erst als Hardcore/Punkband versuchen, um dann vom Hip Hop Virus infiziert zu werden. Es folgt der Durchbruch mit „Licensed to Ill“, genau: Fight for your right to Paaaaarty. Aber neben dem Erfolg auch dir Erfahrung, von ihrem Label und Produzenten böse abgerippt zu werden – von den Millionen verkauften Platten sehen sie keinen Cent.

In den 90er Jahren ziehen die Beastie Boys nach L.A. Zeitweise verbringen sie ihre Zeit nur damit, obskure Platten und Vintage-Instrumente zu erstehen und sich zuzudröhnen. Von ihre Stamm-Dealer (besonders lustiges Kapitel) beziehen sie „zentnerweise“ Gras. Aber es entstehen auch Meisterwerke wie „Check your Head“ und „Ill Communication“.

Ihr Geschichte erzählen die beiden Autoren angenehm ironisch, teilweise auch selbstkritisch: So zum Beispiel die Trennung bzw. den Rauswurf ihrer ersten Schlagzeugerin. Oder das ihnen im Rückblick nicht jedes ihrer Alben völlig gefällt, #ToThe5Boroughs

Über dieser Leichtigkeit schwebt allerdings immer als dunkle Wolke der Verlust ihres Freundes Adam Yauch und der anderer Verwandten oder Freunde. Aber auch das bringt das Älterwerden mit sich.

Der letzte Absatz darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen: Das Buch ist so etwas wie das literarische Äquivalent zu einem kühlen Bier nach einem langen Arbeitstag – einfach köstlich. Cheers!


Meine Eitelkeit kostet 8 Pfund

In dieser Woche hatte ich Post aus England. Im Briefkasten lag:

Magnitudes of Order cover art

Wenn man das Cover aufklappt, liest man unter den Danksagungen auch meinen Namen. Wie kommt’s?

Globular aka Morison Bennett hat die Produktion der CD (Mastering, Artwortk etc.) über Kickstarter finanziert. Für 7 Pfund hat man die CD bekommen, für 15 Pfund die CD mit persönlicher Erwähnung in den Credits.

Was soll uns das sagen?

Personalisierung ist ein sehr einfacher Weg, um mehr Geld zu verdienen. In meinem Fall habe ich ohne zu Zögern mehr als das Doppelte bezahlt, nur um meinen Namen gedruckt zu sehen. Wie ich gehört habe, funktioniert dieses Prinzip auch ähnlich im Spiel BloodMasque. Hier macht der Spieler vor dem Start ein Foto von sich und die Hauptfigur trägt dann im Gemetzel seine Gesichtszüge.

Die CD von Globular ist übrigens  sehr, sehr gut. Ethno-Psy-Dub-Chill-Out vom Feinsten mit viel Liebe zum Detail produziert. Am besten einfach mal reinhören. Du kannst dir die komplette CD kostenlos herunterladen. Aber ich würde mich freuen, wenn du Morison via Paypal wenigstens ein Bier ausgibst.

Noch eine Frage an meine Stammleser: Fällt euch was auf?

PS: Woohooo, das ist mein 100. Artikel!

Investieren Sie in CDs. Wo sonst gibt es 3.000%???

Tagesgeld? Nicht mal Inflationsausgleich. Aktien? Klar, wenn man mit 30% Rendite zufrieden ist (so hat sich der Dax im letzten – sehr guten – Jahr entwickelt). Viel mehr ist mit Investitionen in CDs zu holen.

Beispiel gefällig? Aber gerne!

In meiner Sammlung befindet sich die CD „Extended“ von Solar Fields. Erschienen in einer limitierten Auflage von 800 Stück 2005. Die habe ich damals direkt beim Label für 10 Euro gekauft. Und jetzt wird sie für 300 Euro angeboten:

Solar Fields Discogs

Und das ist keine Ausnahme. Hier das zweite Beispiel: Die Jubiläumsbox des Labels Ninja Tune. Hat 2010 ca. 100 Euro gekostet. Aktuell ist sie ca. 700 Euro wert!

Ninja Tune Box

Noch einen weiteren Vorteil hat das CD-Sammeln. Man unterstützt die Künstler und hat was Schönes in der Hand. Jetzt bräuchte man nur noch eine Art Info-Dienst, der einen auf limitierte Collector’s Editions aufmerksam macht.  Vielleicht schlummert da ja eine Geschäftsidee…

Zwanzigzwölf: Das war’s dann wohl

Ich finde ja kaum etwas langweiliger als diese inflationären Jahresrückblicke mit Lanz, Jauch und ____________ (Namen bitte selber einsetzen). Warum mache ich dann selber einen? Andererseits: warum nicht?

Beste Ausstellung

George Condo und Schwarze Romantik. Die schwarzen Romantiker kannst – ach was – musst du dir noch anschauen. Und zwar bis spätestens 20. Januar im Städel. Eine wirkliche grandiose Zusammentstellung des Gruseligen, Bizarren, Abseitigen, Albtraumhaften und schrecklich Schönem. Mehr Adjektive fallen mir nicht mehr ein. Hingehen!

Caspar David Friedrich (1774–1840) Kügelgens Grab, 1821/22

o_Stuck_Suende

Franz von Stuck (1863–1928), Die Sünde, 1893

Bestes Buch

Also irgendwie war es nicht so das große Lesejahr. Sehr gut gefallen haben mir „Der Klang der Familie“ von Felix Denk und Sven von Thülen. Das ganze Buch ist im Prinzip ein einziges Interview. Es geht um Berlin, Techno und die Wende. DJs und Partymacher erzählen vom Aufstieg und kommerziellen Sünden-Fall einer Subkultur. Hört sich jetzt ernster an als es ist. Liest sich locker weg, also ideal für die anstehenden Feiertage. Auch gut: der düstere Krimi „Winters Knochen“ von Daniel Woodrell. Ebenfalls passend als Tipp für die Jahreszeit.

Bester Film

Beste Musik

Unglaublich viele unglaublich gute Alben! In keiner wertenden Reihenfolge:

Aes Dana – Pollen, Connect.Ohm – 9980, Sync24 – Comfortable Void, Michael Mayer – Mantasy, John Talabot – Fin, GYBE – Allelujah!Don’t bend!Ascend!, Dead can dance – Anastasis, Andy Stott- Luxury Problems, Monolake – Ghosts, Mala – Mala in Cuba, Swans – The seer, Vessel – Order of noise, Polica – Give you the ghosts (schon wieder Ghosts…). Ich höre jetzt lieber auf und habe sicher  noch ein paar Favoriten vergessen.

Beste App

„The Room“ ist von Apple zur besten iPad Game des Jahres gekürt worden. Mit Recht.Tolles Adventure mit schönen Rätseln und toller Grafik. Außerdem erwähnenswert: „Plague Inc.“. Mit diesem Spiel kannst du die Welt täglich untergehen lassen.

So das war es meinerseits. Ergänzungen sind herzlichst willkommen!

Mini-Mix mit hohem Sonnenschutzfaktor

Genau so haben wir uns alle die Ostertage vorgestellt: Unfreundliche Regenschauer, eiskalter Wind, laufende Nasen – Danke für nix.

Als Gegenmittel zum Trübsinn habe ich ein paar Tracks ausgesucht, die gut in einer Strandbar laufen könnten. Die Wellen rauschen am Strand, die Sonne geht gerade unter und da kommt schon der Gin-Tonic im beschlagenen Glas.

Als erstes kommt Yppah, der gerade auf Ninja Tune sein neues Album „Eighty One“ rausgebracht hat. Elektronische Beats treffen auf rockige Gitarren, das ganze garniert mit sehr schönen Melodien. Perfekt um die Augen zu schließen und sich dahin zu träumen, wo man gerne wäre.

 

So, und jetzt zu einem echten Geheimtipp. Die Sunmonx aus Down Under beglücken uns mit ihrem Debut-Album „Power Salad“ auf Interchill Records. Wie Yppah kombinieren sie geschickte „echte“ Instrumente mit elektronischen Beats. Und mixen dabei verschiedene Stile wie Dub, Trance, Funk, Glitch, Rock und Blues in ihren Soundcocktail – sehr lecker.

 

Zum Abschluss noch was von meinem Lieblings-Label Ultimae. Kürzlich haben die sympathischen Franzosen die Compilation „Greenosophy“ herausgebracht: „From deep ambient to lush progressive grooves, Greenosophy offers fresh chlorophyll visions, leafy rhythms and luxuriant melodies.“ Kann man so stehen lassen. Ein Höhepunkt ist sicher Cell’s epischer Track „Idea Spiral (Ozora Festival 2011 live edit)“.

 

Viel Spaß mit den Tracks. Und schöne Osterfeiertage trotz Mistwetter!

Ninja Tune XX(L)

Mitte der 90er Jahre bekamen die Starkstromgitarren Konkurrenz. Neben Pantera, Tool, Type o Negative machten sich in meiner CD-Sammlung elektronische Beats breit. Ganz wichtig neben Kruder & Dorfmeister waren vor allem Veröffentlichungen des Labels Ninja Tune.

Mit oder ohne Sport-Zigaretten lauschte man begeistert den Klangforschungen von Amon Tobin, Coldcut, Mr. Scruff… Jetzt feiert das Label seinen 20. Geburtstag und haut richtig auf die Pauke bzw. ein voluminöses Box-Set raus, das mir gestern aus Amazonien zugestellt wurde. Wenn Sie bitte mal schauen wollen:

Absolut gigantisch. Der Hammer. 6 CDs, 6 Singles, ein opulenter Bildband und das Ganze in einer superben Aufmachung. Und vor allem kann man hier auch was für Werbung/Marketing lernen, denn die Ninjas machen hier alles richtig.

Marketing mit Ninja Tune

Der Preis als Kaufargument wird oft überschätzt. Das Boxset hat ca. 120 Euro gekostet, aber trotzdem habe ich nicht lange überlegt – für was Besonderes zahlt man zwar nicht gerne, aber man zahlt.

Under promise and over deliver. Bei der Box stimmen Verpackung und Inhalt. Man merkt, wie viel Arbeit und Überlegung in diesem Projekt steckt. Das ist eben nicht mal schnell zusammen geklöppelt (Kunde an Agentur: „Äh, also in zwei Wochen ist ja unser Jubiläum, da bräuchten wir schnell was, aber es darf nichts kosten.“)

Exklusiv und limitiert. Diesen Kaufanreiz beherrschen die Ninjas perfekt. Von der Box gibt es nur 3.500 Stück – und die sind schon so gut wie ausverkauft. Außerdem sind 2 der 6 CDs und die Singles nur über die Box erhältlich. Mit der Box bekommt man auch einen Code. Nach dessen Aktivierung kann ich mir  einen Mix herunterladen (250 Tracks in 80 Minuten!) und später zwei Maxis zuschicken lassen. Ja, ich fühle mich wie ein VIP!

Vorsicht ein Trend! Ninja Tune bleibt seiner Linie treu, über die Jahre haben sie einen ganz eigenen Stil etabliert anstatt hektisch auf jeden Zug aufzuspringen. Auch widerlegen Sie  das Argument, dass niemand mehr CDs kauft – ich habe ja gerade 6 auf einmal bestellt. (Kunde an Agentur: „Wir brauchen jetzt asap Facebook, Twitter und dieses Foursquare als Channels.)

Wer jetzt noch zuschlagen will, muss sich beeilen und das Schmuckstück hier bestellen.