Werbung ist eine Steuer für Arme

Die App ist gratis. Um die Banner loszuwerden zahle 1,99.

Streame umsonst Musik auf Spotify. Ohne Werbung macht es 9,99.

Serien und Filme gucken ohne Unterbrechungen. Geht z.B. bei Netflix ab 7,99/Monat los.

Und immer mehr Menschen sagen: „Für einen Gin Tonic weniger pro Monat vom Werbemüll verschont werden? Fairer Deal“.  Weiterlesen

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Gut gebrüllt – meine Cannes Lieblinge

Die Werbe-Oscars, die Löwen, sind gerade in Cannes verliehen worden. Hier ist eine Auswahl von prämierten Arbeiten, die mir besonders gut gefallen.

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An meinem Löwen arbeite ich noch …

Justino; Leo Burnett

Eine sehr schöne Geschichte, perfekt animiert. Durchaus Pixar-Niveau. Beworben wird die spanische Weihnachtslotterie. Der Film ist nur das Herzstück der Kampagne, Justino hatte auch einen eigenen Kanal auf Instagram, auf Facebook konnte man die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven verfolgen. Holt die Taschentücher raus.

The next Rembrandt; JWT Amsterdam

Kennt wahrscheinlich schon jeder, der irgendwas mit Werbung zu tun hat. Wird – zu Recht – abgefeiert als perfekte Verbindung einer großen Idee mit Big Data und Technologie. Die ING Bank positioniert sich hiermit glaubhaft als innovatives Unternehmen.

#Whoistheking; Buzzman

Burger King war mit dem McWhopper einer der ganz großen Gewinner. Deutlich kleiner, aber sehr charmant ist auch diese Battle mit dem Rivalen McDonald’s.

Anti-Rival Vaccine; Ogilvy Brasil

Für mich als Fußball- und Eintracht-Fan der heimliche Star des Festivals. Ich finde die Idee großartig. Da stört es mich auch nicht weiter, dass das Ganze doch stark nach „Wir basteln uns einen Award Case“ riecht.

Wer jetzt weiter gute Werbung sehen will, kann das gerne tun: Cannes Winner 2016

Ist Kundenservice die bessere Werbung?

Vor kurzem habe ich den neuen Hornbach-Spot „Haarkranz“ auf Facebook geteilt. Sehr schnell wurde er so kommentiert:

„mich nervt die hornbach-werbung die nur versucht besonders anders zu sein. geht man mal tatsächlich in deren baumarkt, da holt dich die realität ein – mieser service, sieht heruntergekommen aus. lieber erst mal da investieren statt in teure agenturen und spots“

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Kollege kommt gleich!

Gegenbeispiel: Vor kurzem ist der Timer meiner Philips Sonicare Zahnbürste ausgefallen. Das Gerät war gerade mal 6 Monate alt und hat stolze 140 Euro gekostet. An einem Samstag habe ich den Philips Kundenservice kontaktiert. Am folgenden Dienstag hatte ich ein Austauschgerät. Perfekt!

Sicher sind diese zwei Fälle nicht repräsentativ. Aber ich möchte aus ihnen trotzdem ein paar Thesen ableiten:

  • Kundenservice ist viral. Im positiven wie negativen Sinne. Denn gute oder schlechte Erfahrungen werden geteilt. Im Gegensatz zu vielen „viralen“ Filmen, die im medialen Rauschen untergehen.
  • Kundenservice ist zielgruppenunabhängig. Dadurch hat er eine riesige Reichweite – nämlich buchstäblich jeden, der ihn in Anspruch nimmt. Ganz egal wie jung oder alt, reich oder arm etc.
  • Kundenservice ist einfach zu verbessern. Jede Werbekampagne kann floppen, egal wieviel Zeit und Geld in die Entwicklung gesteckt wurde. Aber ich kann mir schwer vorstellen, dass es irgendwo, irgendwann heißt: „Wir haben die Reaktionszeit im Service von 24 auf 4 Stunden gesenkt. Aber irgendwie kommt das beim Kunden nicht so gut an.“
  • Kundenservice kann der entscheidende „Produktvorteil“ sein. Nicht umsonst kämpft man sich vor dem Kauf z.B. eines Fernsehers durch x-Testberichte. Die Unterschiede zwischen den Modellen verschiedener Hersteller sind oft nur noch marginal, echte Innovationen selten. In diesem Umfeld kann ein exzellenter Kundenservice die Kaufentscheidung positiv beeinflussen.

Insgesamt, so mein Gefühl, ist der Kundenservice vieler Marken besser geworden. Sicher auch eine Folge der sozialen Medien, in denen Horror-Stories enttäuschter Kunden schnell die Runde machen.

Aber es gibt, siehe Hornbach, eben auch noch viel Luft nach oben. Darum sollten sich Marken fragen, ob sie ihr Geld nicht besser in den Kundenservice statt in die nächste Werbekampagne stecken sollten. Es gibt nur einen Nachteil. Das Thema ist halt so unsexy:

Bei den Cannes Lions, dem Werbe-Oscar, konnte ich auf die Schnelle keine Kategorie „Customer Service“ entdecken 😉

Content is king, Bezahlung is nix

Ich will mal ausprobieren, wie schnell ich 2,80 € mit meinen Texterfähigkeiten verdienen könnte.  Das Experiment startet jetzt, um 10:02 Uhr, an einem freundlichen Herbstsonntag. Mein Auge klebt während ich schreibe am Word-Count unten rechts. OMG, ich habe erst ca. 40 Wörter geschafft! Ich brauche aber 200, um meine 2,80 € zu verdienen. Für einen „einfachen Text ohne viel Rechercheaufwand“, als den ich diesen hier betrachte.

Was kostet eigentlich Content?

Was kostet eigentlich Content?

Denn recherchiert habe ich wirklich nicht viel. Durch einen Zufall bin ich auf die Webseite von Great Content gestoßen. Great Content sucht „talentierte Wortakrobaten“ für Kunden wie Zalando, Groupon und Mister Spex. Die Honorargestaltung ist sehr transparent – und für mich erschreckend (passt dann zum gestrigen Halloween, schon wieder 5 Wörter mehr). Ich habe keine Ahnung, wie man bei diesen Sätzen Geld verdienen soll.

Beispiel: Ein „Komplexer Text, detaillierte Recherche empfohlen“, der 500 Wörter lang sein muss, wird mit 21,50 € vergütet. Ich überlege gerade mal, wie das überhaupt gehen soll. Detaillierte Recherche veranschlage ich mit einer Stunde. Für den komplexen Text mit 500 Wörtern 3 Stunden. Und das ist noch sehr, sehr niedrig angesetzt. Macht insgesamt vier Stunden. Und jetzt den Taschenrechner raus: 21,50 geteilt durch vier = 5,38 €. Moment mal, jetzt erhöht sich mein Rechercheaufwand, ich muss den Mindestlohn googeln… er liegt bei 8,50 €.

Mir fehlen da ehrlich gesagt die Worte (deshalb komme ich auch so langsam auf meine 200). Ich finde so ein Geschäftsmodell, das bewusst mit der Selbstausbeutung von Freelancern kalkuliert, einfach unseriös, um nicht zu sagen, schäbig. Und Kunden, die von diesen Dumping-Preisen profitieren oder sie einfordern, brauchen mir nicht mit Geschäftsethik zu kommen. Sorry, so was geht gar nicht.

So, für diesen Text habe ich 37 Minuten gebraucht. 10 Stück/Tag davon und ich könnte mich über  28 € freuen…

Berlin, Berlin, wir waren in Berlin

Alter. Der letzte Artikel hier erschien Mitte Februar. Scheint so, als fehlte meinem Blog eine Content-Strategie. Scheint vielleicht nicht nur so 😀

Ok, mal gucken, wie ich ein paar Zeilen füllen kann. Grübel. Grübel. Ich hab was. Gerade schwer en vogue ist das „Echtzeit-Marketing“. Man reagiert als Marke innerhalb kürzester Zeit auf ein bestimmtes Ereignis. Wie den Super Bowl. Oder das DFB-Pokalfinale. Bei letzterem war ich dabei, in einem Social Media Newsroom Team von MRM//McCann.

Wir waren mit einem 6-köpfigen Team vor Ort. Der Grund: Es spielte ja BVB Dortmund gegen VfL Wolfsburg. Und damit Opel gegen VW, in gewissem Sinne. Wir waren natürlich für Opel, die den BVB Dortmund sponsern. Und es war ja auch das Abschiedsspiel von Jürgen K.

Immer locker bleiben

Um so ein Event handeln zu können, sollte man sich im Vorfeld ein paar Gedanken machen:

  • Welche Posts kannst du auf jeden Fall bringen? Beispiel: Kurz vor dem Anpfiff.
  • Welche Posts kannst du vorbereiten? Beispiel: Am Ende muss ja eine Mannschaft gewonnen haben. Wie reagierst du bei Sieg oder Niederlage?
  • Dazu kommen noch situative Posts, die natürlich die schwierigsten sind.

Die Wette Der hat sehr gut funktioniert, weil er er einen direkten Bezug sowohl zum Event als auch zur/zu den Marken hat und die Rivalität von Opel und VW spielerisch/sympathisch nutzt. Der ging dann auch am Abend des Finales viral. Sogar VW-Fans fanden ihn gut.

Nach dem Spiel, das ja Wolfsburg gewonnen hat, wurde es etwas kniffliger. Von VW kam keine  Reaktion, also was tun? Viele in der Netzgemeinde forderten nun einen GTI. Wir haben uns dagegen entschieden und mit diesem Post situativ reagiert.

Nach der Wette

Mit diesem Post auf Twitter und Facebook sowie einem aktiven Community-Management haben wir die Kritiker großteils beruhigen können.

Kurze Fazit: Echtheit-Marketing kann Spaß machen, da man innerhalb kürzester Zeit viel auf die Straße bringt. Nicht unterschätzen sollte man den Aufwand. Und vor allem als Kunde muss man ein bisschen Risikofreude haben und die Freigabeprozesse extrem beschleunigen. Dann klappt’s auch mit dem Social Buzz.