Wie viele Bilder gibt es in der Bibel?

Gut, als Texter bin ich voreingenommen.

Aber trotzdem frage ich mich, warum auf vielen teuer erkauften Werbeflächen so wenig Worte gemacht werden. Immer öfter gibt es nur was zum Gucken, aber nichts zum Lesen. Kurz: Es fehlt der Content. Und der ist ja bekanntlich King.

Nehmen wir einfach folgendes Beispiel. Die aktuelle Insignia-Kampagne von Scholz & Friends.

Benchmark. The best car we’ve ever built.

Was ist, wenn ich jetzt wissen will, warum der Insignia der Beste ist oder sein soll? Oder blätter ich einfach schnell weiter, weil ich überhaupt keine relevanten Informationen bekomme? Und das Layout ganz laut „Werbung, Werbung!!!“ schreit.

Also ich bin ja dafür, sich in der Reklame wieder mehr an den alten Meistern zu orientieren. Zum Beispiel an Mister David Ogilvy.

Ok, das ist ein Klassiker, so etwas wie die 9. Sinfonie der Anzeigen. Von daher ist der Vergleich etwas unfair.

Aber so geht’s doch auch:

Eine Headline, die Neugier weckt und dich animiert den relativ langen Text zu lesen. Der dann sehr unaufgeregt 13 (!) Verkaufsargumente liefert für – the best car we’ve ever built. So informiert bin ich eher bereit, mich näher mit dem Auto zu beschäftigen, den Katalog zu bestellen oder eine Probefahrt zu machen.

Wer will eine Zugabe? Und alle so „Yeah“.

Eine ironische Ein-Wort-Headline („Gurke“ im Sinne von Ausschuss) gefolgt von einer überzeugenden Story, die die Headline verständlich macht und den VW Käfer als hochwertiges Auto positioniert. 

Klar, diese Anzeige von DDB ist legendär. Aber auch sie zeigt, dass der Text (und Texter?) heutzutage leider in seiner Wirkung unterschätzt wird.

Oder stimmt das alles nicht? Habe ich mich wortreich verplappert? Kommentare sind wie immer gern gesehen!

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Zensiert!

Ich suche gerade einen Zweitwohnsitz in Hannover.

Also dachte ich mir, einfach ein Wohnungsgesuch in der HAZ aufzugeben. Als Texter ist mir natürlich gleich eine „aufmerksamkeitsstarke“ Headline eingefallen. So sah das dann aus.

Aufgefallen wäre die mit Sicherheit. Aber dann klingelte mein Telefon. Die Anzeigenleitung der HAZ war dran.

Mein geiler Text könne so nicht erscheinen. Der Hinweis auf das im Grundgesetz verankerte Recht auf Presse- und Meinungsfreiheit wurde vom Zensor nicht akzeptiert. Aber wozu gibt’s das Internet?

Ich lasse mich doch von der Meinungsdiktatur nicht unterdrücken! Lang lebe die Freiheit, nicht nur in Ägypten und Tunesien, nein, auch in Niedersachsen… hat mal jemand die Nummer vom UN-Sicherheitsrat? Oder von Herrn Westerwelle? Die vom Obama ginge auch…

Die Werbe-Avantgarde von 1915

Eine Anzeige für Autos, ohne ein Auto zu zeigen? Geht nicht. Eine Anzeige für Autos ohne Bild? Schwer vorstellbar. Eine Anzeige für Autos, in der nichts über Autos gesagt wird? Sie sind gefeuert!

Im Jahr 1915 war das anders. Die geniale Anzeige für Cadillac erzählt eine schöne Geschichte über Meisterwerke und ihre Schöpfer. Und den Neid, der auch eine Form der Anerkennung ist. Die Verbindung zum Produkt bleibt dem Leser überlassen. Das nenne ich mal mutig und kreativ.

Hier gibt’s ein paar weiter Infos über die Anzeige (runterscrollen).