Werber so beliebt wie Dispo-Zinsen

Jetzt ist es wieder mal amtlich. Laut einer Umfrage des Forsa-Instituts zum Ansehen von Berufsgruppen rangieren Werber noch weit hinter Zuhältern und Drogendealern. Also beinahe jedenfalls. So sieht das genau aus:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Woran kann das liegen? Ich glaube, Werber gelten halt wie Politiker und Versicherungsvertreter als notorische Heißluftproduzenten. Kurz gesagt: Versprechen viel, halten wenig.

Wobei das bei der Bevölkerung, glaube ich, mehr für die Werbung als die Werber gilt. Was das Ganze aber nicht besser macht. Werbung unterbricht abrupt den Lieblingsfilm. Blinkt nervig auf Webseiten rum. Kräht einen aus dem Radio an. Werbung muss halt einfach informativer, hilfreicher, unterhaltsamer relevanter werden. Glaubwürdiger. Aber der Weg ist lang und steinig…

In der Zwischenzeit kann man es doch ganz klassisch mit einer bei Werbern so beliebten Image-Kampagne versuchen!

Ich fange gleich mal an:

Klischee-Werber mit Hornbrille; Headline: Ich habe die Müllmann-Prüfung nicht bestanden. Darum bin ich Texter geworden. Jetzt tut es mir Leid.

Klischee-Werber mit Hornbrille; Headline: Ich werde nie mehr holistische Kommunikation sagen! Claim: Werber. Geben Sie ihnen eine Chance.

Klischee-Werber mit Hornbrille neben Hitler und Stalin. Headline: Ist er wirklich so böse? Claim: Werber. Etwas besser als ihr Ruf.

Hat noch jemand eine Idee?

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Toyota – das ist unmöglich

Wer nicht unter einem Stein lebt, hat es mitbekommen: Toyota hat wohl am falschen Ende gespart, das Gaspedal kann bei manchen Modellen klemmen. Blöd gelaufen und jetzt folgt auch noch ein PR-Crash, jedenfalls eine „Entschuldigungs-Anzeige“, die mir so überhaupt nicht gefällt.

Das beginnt mit der Headline: „Wir riskieren lieber negative Schlagzeilen als Ihre Sicherheit.“ Ach nee, wie gnädig! Da verschraubt man ein minderwertiges Bauteil und ist dann  so generös es auszutauschen. Danke für nichts. Und vor allem „riskiert“ Toyota keine negativen Schlagzeilen. Die sind doch schon lange da. Und damit ein milliardenteures Image-Desaster.

Das aber eigentlich nicht hätte passieren dürfen, denn: „Toyota steht für höchste Kundenorientierung und kompromisslose Produkt- und Servicequalität.“ Aber warum ist dann die subotimale Feder nicht aufgefallen? Wenn bei Toyota so kompromisslos Qualität produziert wird? Denn kompromisslos wie ein entehrter Samurai, der zum Schwert greift, sind sie ja schon:

„Toyota möchte mit dem kompromisslosen und verantwortungsvollen Rückruf dokumentieren, dass Qualität und Sicherheit mehr denn je das Denken und Handeln von Toyota bestimmen.“ Noch eine Floskel? Immer gerne: „Jetzt und in Zukunft“. Ächz. Stöhn.

Ich verstehe einfach nicht, warum Marken oft so gravitätisch-gestelzt daherquatschen und -schwallen. Das liest sich nicht seriös, sondern eher wie ein kaiserlicher Erlass aus Berlin oder Tokio, anno 1800. Mehr Distanz geht nicht.

Diese Anzeige ist auch ein schönes bzw. unschönes Beispiel für Marken, die immer noch im deklamatorischen Zeitalter leben: Rauf auf die Kanzel und lospredigen. Kommunikationsoffensiven starten, Marktanteile erobern, Zielgruppen treffen. Vor allem kompromisslos. Anstatt mal zu überlegen, wie ich mit Menschen so rede, dass sie zuhören, die Marke verstehen und vielleicht sogar sympathisch finden.