Die Dachschadenkampagne von Warsteiner

Ich ahnte Schlimmes als in den Werbegazetten die neue Dachmarkenkampagne des Bierbrauers wie folgt angekündigt wurde:

„In der von Amsterdam Worldwide konzipierten Kampagne sind authentische Charaktere zu sehen, die im Leben einen individuellen Weg gehen und jeden Moment auskosten. Der Claim „Mach das einzig Wahre“ unterstreicht diese Positionierung.“

Amsterdam? Holland? Heineken? Bierexpertise? Spätestens da ist der Humpen doch schon halbleer!

Weiter geht’s.

Der Marketingleiter will verstärkt „bei einem jüngeren, vielschichtigeren Publikum Begehrlichkeit für die Marke schaffen“, jedoch „gleichzeitig wollen wir unsere treuen Kunden halten und ihre emotionale Bindung stärken. Insgesamt geht es darum, eine souveräne Markenpersönlichkeit zu entwickeln, die progressiv ist, ohne auszuschließen, die Menschen inspiriert und ihnen auf Augenhöhe begegnet.“

Alles klar? Scheinbar weder mir, noch der Agentur noch sonst wem. Denn herauskam folgender Spot in dem u.a. auftreten:  Lebenskünstler (?????) Jon Rush, Streetartist Andreas von Chrzanowski alias Case, Fallschirmspringer Rob Heron oder der Bürostuhl-Racer (??????) Rene Karg.

 

Als passionierter Biertrinker brauche ich nach sowas einen Schnaps 😀

Das Ganze ist ein konfuses Sammelsurium pseudo-hipper Sequenzen. Die Bilder erzählen keine Geschichte, deshalb wird der ganze Spot mit einem kontinuierlichen Voice Over zugetextet: „Wenn du etwas findest, woran du wirklich glaubst, dann mach es, halt es fest, lauf los, sei echt, probier’s, sei stolz, träume es, jage es, fang es, liebe es“. Wenn man nichts zu sagen hat, einfach mal die Klappe halten.

Ich glaube der grundsätzliche Fehler liegt in einer fehlenden bzw. schwammigen Strategie und einem völligen Unverständnis für den Biertrinker an sich. Bier schmeckt. Bier erfrischt. Passt gehört zum Fußball (gucken). Ermöglicht unterhaltsame Abende. Beim Bier trifft und findet man Freunde. Einmal im Plateau in Sachsehausen an einem Samstag Eintracht schauen wäre der beste Resarch gewesen…

Wie es anders geht zeigt diese Kampagne für Dos Equis. Schön ironisch überzeichnet und in der Headline steckt mehr Gehirnschmalz als in dem Gesumse von Warsteiner.

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Einer geht noch:

https://i1.wp.com/farm4.static.flickr.com/3269/3050521826_2a40a81d11.jpg

 

So, und bei dem ganzen Geschribbsel über Bier bin ich jetzt natürlich richtig durstig geworden und verabschiede mich mit einem

CHEERS!

Update: Verkrampft und austauschbar ist die Kampagne im Marken-Check. Da lag ich ja nicht so falsch.

Es lebt, es lebt!

Neuer Claim, neues Glück? Man wird sehen. Offensichtlich jedoch ist, wodurch die aktuelle Opel Kampagne inspiriert wurde.

Das ist der Spot:

Und hier kommt das Vorbild für den Schöpfungsmythos, bei dem aus elektrischer Blitz-Energie Leben entsteht.

Die Parallelen in der Handlung liegen natürlich auf der Hand. Sogar der Claim „Wir leben Autos“ ist eindeutig vom ekstatischen „It’s alive, it’s alive“ des manischen Experimentators  abgeleitet. Alles in allem ein mutiger Schritt, sich mit einer Kampagne postmodernistisch auf das Hollywood der 30er Jahre zu beziehen!

Ich musste übrigens bei meinen mehrminütigen Recherchen überrascht feststellen, dass nicht die von Boris Karloff genial gespielte Kreatur Frankenstein heißt, sondern der verrückte Wissenschaftler. Man lernt halt nie aus.