Eine richtig gute Landing Page

Heute wird es hier didaktisch. Aber keine Angst, es dauert keine Schulstunde lang…

Worum geht’s?

Über Ostern gab’s im App-Store einige Schnäppchen. Auch die Camera+ App war um 50% reduziert. Ich habe also zugeschlagen. Und danach die Landing Page für diese App entdeckt. Diese Seite finde ich sehr sehr gut und erzähle gleich warum.

Erstmal für die Nicht-Werber: Eine Landing Page ist eine Webseite, die ein ganz klar fokussiertes Ziel hat. Der Besucher soll ein Produkt kaufen, einen Newsletter bestellen, Infos anfordern oder ähnliches. Je mehr Besucher die gewünschte Handlung ausführen, desto höher der Erfolg – die so genannte Konversionsrate.

Diese Landing Page macht ihren Job ausgezeichnet. Warum? Darum…

Ein bisschen Sex sells

Für den schnellen Entscheider gibt es ein recht ausführliches Produktvideo.  Im besten Fall schaut der User es an, ist von der App (und/oder der Fotografin) angetan und kauft. Deshalb der gut sichtbar platzierte Call-to-action „above the fold“, d.h. auch bei einem kleinen Bildschirm muss man nicht scrollen.

Die Copy sagt kurz und knapp, was der Vorteil der App ist: Mit ihr macht jeder tolle Fotos – Vorkenntnisse nicht nötig.

Aber da nicht jeder das Video anschaut, legt die Landing Page nach.

Benfits, benefits, benefits

Wie gesagt: Shoot like a pro (without being one). Obendrauf gibt es noch Beweise in Form von Zitaten aus Testberichten. Wem das nicht reicht, der bekommt die volle Ladung Funktionalitäten plus deren Vorteile für den Hobby-Knipser.

But wait, there’s more!

Der Wow-Effekt

Davon hat doch jeder geträumt: Vermurkste Fotos wie durch Zauberhand optimieren. Kannst du haben. Mit Camera+.

An dieser Stelle gibt es auch einen Link zu Detail-Infos. Meiner Meinung nach ist der nicht nötig. Denn wer weiß, ob der Besucher nachher wieder auf die Sales Page zurückkommt?

Du bist der Star-Fotograf

Das ist wirklich sehr clever. Die Eitelkeit/Anerkennung („Proudly share your photos…“) ist eben ein starker Motivator. Ich freue mich ja auch schon auf die begeisterten Kommentare zu diesem Artikel 😉

Der Lisa Bettany Effekt

Nochmal gibt es das Kernargument der phantastischen Fotos ohne jedes Know-how. Und auch Lisa Bettany tritt wieder auf. Einmal als Hingucker und dann als Testimonial für die Klasse von Camera+. Die App muss ja gut sein, wenn eine echte Fotografin sie mitentwickelt hat!

Und hier ist der letzte Beweis:

Und du kannst das auch!

Diese Fotos sind auf der Landing Page klick- und vergößerbar. Sie zeigen, wie sich die App im Alltag bewährt.

Und was ist nun zu tun? Ganz einfach:

KAUF MICH!

Am Ende der Seite noch mal der Call-to-action in den iTunes-Store. Den hätte ich schon vorher nochmal platziert, ungefähr in der Mitte der Seite. Aber das sind Peanuts.

Alles in allem haben die ihren Job sehr gut gemacht. Und erfolgreich. Denn mit dieser App wurden bisher mehr als zwei Millionen Dollar umgesetzt (okay, sicher nicht nur durch die Landing Page).

PS: Auf der aktuelle Seite ist nicht mehr der Aktionspreis zu sehen, aber das ändert an der Analyse nichts.

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Storytelling mit John Caples

Nach Web 2.0 ist das nächste große Ding in Werbung & Kommunikation Storytelling. Ganz kurz gesagt: Verpacke deine Markenbotschaft in eine spannende Geschichte. Nur dann bleibt sie „hängen“ und geht nicht im medialen Rauschen unter. Wer es genauer wissen will, beschäftigt sich intensiv mit diesem Thema.

Aber wie vieles ist auch Storytelling in der Werbung nicht so ganz neu. Schon der gute John Caples hat es 1926 eingesetzt in seiner legendären Anzeige: They laughed when I sat down at the piano…

Als Texter musste Caples Home Study Kurse verkaufen, mit denen jeder jedes Instrument lernen kann. Die naheliegende Lösung einer Headline à la „In nur 4 Wochen Klavier spielen lernen“ war ihm zu einfach.

Stattdessen appellierte er an ein starkes menschliches Bedürfnis, das Verlangen nach sozialer Anerkennung. Und das Konzept verpackte er in eine typische Underdog Geschichte: „Die glauben nie, dass ich Klavier spielen kann – denen werde ich es zeigen“ bzw. „Dieser Loser Boxweltmeister? Wartet mal bis Rocky zuschlägt“. Das Muster funktioniert – immer noch und immer wieder.

Für mich als Werber interessant: Mit diesem Ansatz lassen sich auch materiell unscheinbare/langweilige Dinge oder Dienstleistungen gut verkaufen. Ich beiße mich nicht an den Produkteigenschaften fest, sondern stelle den Benefit im besten Licht dar.

Nehmen wir zum Beispiel ein Seminar über Storytelling. Da kann ich mir gut folgende Headline vorstellen:

„Nach der Präsentation sagte mein Boss: Kommen Sie bitte kurz in mein Büro“

Das erzeugt Spannung und Mitgefühl mit dem Helden („Wird er einen Anschiss bekommen? Die Situation kenne ich auch!“), die dann natürlich positiv aufgelöst wird – dank Storytelling war die Präsentation überraschenderweise ein großer Erfolg. Und es kommt noch besser. Denn in die Heldenrolle kann ja jeder schlüpfen, man muss halt nur sofort das Seminar buchen.

Also mir gefällt das Prinzip prinzipiell gut, vor allem kann ich endlich mein ganzes mühsam angelesenes Drehbuchwissen mal anwenden…

Texter-Tipp Nr. 1: Absatzweise

Ab sofort gibt’s in meinem Blog eine neue Serie. Texter-Tipps heißt sie. Sie ist für alle gedacht, die wollen, dass ihre Texte gelesen werden. Es geht dabei nicht nur um Werbetexte. Sondern auch um Memos, E-Mails, Bewerbungen etc.

Ok, hier ist Folge 1:

Das Auge liest mit

Wirklich sehr simpler Tipp und von jedem  einfach umzusetzen: Einfach darauf achten, dass man die Absätze kurz hält.

Denn sonst sieht das Auge eine riesige Textmenge. Das ist nicht überhaupt nicht gut, denn das signalisiert etwas ganz Schlimmes: Denkarbeit. Denkarbeit will jeder vermeiden, sie kostet zu viel Energie. Besteht der Text aus vielen langen Absätzen bleiben nur Fans von Thomas Bernhard dran. Einem – sehr guten – Schriftsteller, der aber endlos lange Absätze geschrieben hat. Im Prinzip bestehen seine Bücher nur jeweils aus einem extrem langen Absatz! Das geht in der Literatur, aber nicht bei Werbetexten, E-Mails oder Geschäftsbriefen, die schnell kommunizieren müssen.

Also lieber mal einen Einzeiler einschieben.

Macht das Lesen echt leichter.

Findest du nicht?

Na also!

Aber Vorsicht. Nur Einzeiler wirken auch komisch. Also am besten auch wieder einen längeren Absatz einstreuen. Einen Dreizeiler. Oder Vierzeiler. Mehr als fünf sollte er jedoch nur in Ausnahmefällen umfassen. Sonst droht dem Geschriebenen der echte oder virtuelle Papierkorb.

Also immer mal wieder auf die Return-Taste drücken. Und schon sehen deine Texte besser aus.

Probier es einfach mal aus. Es wirkt. Garantiert.

Die Werbe-Avantgarde von 1915

Eine Anzeige für Autos, ohne ein Auto zu zeigen? Geht nicht. Eine Anzeige für Autos ohne Bild? Schwer vorstellbar. Eine Anzeige für Autos, in der nichts über Autos gesagt wird? Sie sind gefeuert!

Im Jahr 1915 war das anders. Die geniale Anzeige für Cadillac erzählt eine schöne Geschichte über Meisterwerke und ihre Schöpfer. Und den Neid, der auch eine Form der Anerkennung ist. Die Verbindung zum Produkt bleibt dem Leser überlassen. Das nenne ich mal mutig und kreativ.

Hier gibt’s ein paar weiter Infos über die Anzeige (runterscrollen).